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MIRIAM
Ein letztes Mal drehe ich mich zu ihm um, lächle, dann gehe ich los. Wie schon vor einer Woche fange ich ein paar Schritte später an zu rennen. Diesmal aber nicht mit einem lebensgefährlichen, sondern einem wunder, wunderschönen Gefühl im Bauch. Was aber ziemlich runtergezogen wird, als ich meine Mutter sehe. Über das Glücksgefühl hätte ich beinahe unsere Katastrophenfamilie vergessen... Wie sie in der Küche steht, vor dem Herd. Mit einer Packung Mehl in der Hand. Sie sieht aus dem Fenster. „Mama.“ „Miriam.“ Hektisch schaut sie sich um. „Wo warst du denn? Ich habe mir schon-“ „...Sorgen gemacht. Musst du nicht.“ Gegen meinen Willen steigt ein zärtliches Gefühl in mir auf. Was hat Marvin mit mir angestellt? Vorhin war ich noch stinkwütend auf meine Eltern, jetzt will ich sie am besten beide gleichzeitig trösten. Da ist wieder diese traurige Stimmung... „Es gibt gleich Essen.“ Sie versucht zu lächeln. Und bricht ein paar Sekunden später in Tränen aus, weint; so sehr, wie in Mensch nur weinen kann. Ich stürze auf sie zu, umarme sie und streichle ihr beruhigend über den Kopf. Ihre Tränen laufen ihr über die Wangen, dann tropfen sie auf mein schwarzes T-Shirt. Beruhigend rede ich weiter auf sie ein. So stehen wir ein paar Minuten da. Oder länger. Irgendwann klingelt die Tür. ?“Ich geh schon.“ Nachdem ich aufgemacht habe, Joe sich umgeschaut und die Lage erkannt hat, hebt sie die Hände. „Bin schon wieder weg.“ „Nein, komm doch bitte rein. Miriam wollte dich sowieso gerade anrufen.“ Was zwar nicht stimmt, aber ich bin trotzdem erleichtert, dass Joe da ist. Länger wüsste ich nicht, wie ich meine Mutter trösten könnte. „Oh Scheiße, tut mir Leid, dass ich jetzt reingeplatzt bin!“ Joe ist die Sache sichtlich peinlich. „Ich war bei Marvin.“ Ohne eine weitere Sekunde zu vergeuden, fange ich an. „Oh. Mein. Gott.“ Außer Atem lasse ich mich auf mein Bett fallen. “Dieser Typ ist einfach…” „Miri, Miri. Dich hat´s ja ziemlich-“ „Sag nix! Ich...“ „Nein, behaupte nicht, du willst es nicht wahrhaben, weil er sowieso nichts von dir will. Kämpf, Miriam.“ „Was´n mit dir los?“ Verwundert schaue ich sie an. „Hach, ja, war grad bei meinem Sebi. Aber, weiter, jetzt sag schon. Wie lange habt ihr rumgeknutscht?“ „Joe. Bin ich du? Nein.“ „Na gut, bist du wirklich nicht. Du Arme.“ Sie lacht über ihren eigenen, mäßig lustigen Witz. „Nee, im Ernst. War´s besser als das letzte Mal?“ „Auf jeden Fall.“ Joe lacht schallend auf. „Miriam, mein Gute! Du müsstest mal deinen Blick sehen. Wie eine verliebte Kuh!“ „Joe!“ Ich werfe ihr einen meiner berühmten Giftpfeil-Blicke zu. „Oha, schon gut. Beruhige dich. Also, fang an.“

24.1.07 14:03

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