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MIRIAM
„Hallo, hier ist Miriam. Ist Joana da?“ „Ja, Moment.“ „Miriam?“, sagt einen Moment später meine beste Freundin. „Hey, Joe.“ „Hach, schön dass du dich mal wieder meldest. Ist was passiert, oder warum telefonierst du freiwillig?“ Sie hat Recht, meistens rufe ich nur mal kurz wegen den Hausaufgaben an, aber selten, um einfach nur ein bisschen zu plaudern. „Nö, wieso? Wollt nur bisschen... Reden.“ „Äh... Du hörst dich so depressiv an. Moment, ich geh mal kurz in mein Zimmer. Dann kann ich ungestört quatschen.“ „Mh.“ „So, fertig. Also?“ „Es ist nix großartiges...“ „Also, ich glaub, ich weiß schon, was hier los ist.“ „Ja?“ „Mal ne andre Frage, Süße. Wie findest du den Neuen? Weißt schon, Marvin.“ Oh Scheiße. Warum kennt mich Joe nur so gut? „Mh...“ „Mir musst du nichts verheimlichen. Kennst mich doch.“ „Er ist so...“, hauche ich und lasse mich auf mein Bett fallen. „Pass auf. Du hast ihn gesehen, warst gleich vollkommen begeistert, hast ein paar mal mit ihm geredet, heut wart ihr zusammen Lernen und... Tja.“ Ich schließe die Augen. „Ich hasse dich.“ „Wie oft hast du das schon zu mir gesagt?“, fragt Joe belustigt, wird aber gleich wieder ernst, was für Miss Fun bestimmt eine Herausforderung ist. „Also... So in etwa habe ich doch Recht, oder?“ „Mh. Ja, so in etwa.“ „Also, jetzt erzähle bitte noch mal genau.“ „Ja, wir waren eben heute bei ihm und haben Mathe gelernt und ich habe versucht, ihm ein bisschen beim Volleyball spielen geholfen.“ „Klingt doch schon ganz gut, nicht wahr? Was glaubst du warum er dir – „ „Wenn du noch mal dazwischenredest, sag ich nix mehr. Ja okay. Wenn ich ihn ab und zu berührt habe – rein aus Versehen natürlich – ist er total zusammengezuckt. Und als ich ihn nach den anderen Mädchen gefragt habe, hat er gesagt, dass er alle, die er kennt... dass die ihm... also... nicht genug gefallen.“ „So hat er es garantiert nicht gesagt.“ „Nee, aber so ähnlich.“ „Oh Scheiße. Dabei habt ihr euch doch so gut verstanden...“ „Ach Joe. Es ist so zum Kotzen! Warum haben Menschen wir du immer so viel Glück? Warum hast du Sebi und...“ Verzweifelt seufze ich. „Pass auf, Süße. Jetzt heißt Angriff die Devise. Du bist hübsch, nett und kannst auch extrem verführerisch sein. Also, jetzt nicht aufgeben. Ich glaub an dich.“ Am liebsten würde ich jetzt auf depressiv machen, aber gegen meinen Willen muss ich über Joes Worte kichern. „Ach, Joe. Du bist die Beste.“ Ich glaube zwar nicht, dass ihr mir Plan hilft, aber immerhin hat sie mich mal wieder aufgeheitert. Und, was braucht man Jungs, wenn man beste Freundinnen hat? „Ich weiß. Hab dich lieb.“ „Ich dich auch. Ich mach jetzt Schluss.“ „Tschüss, Süße!“ „Ciao, Joe.“ Ich lege auf, lege das Telefon neben mich und krieche unter meine Decke. Gemeines Leben. Gemeines, gemeines Leben. Aber wie war das? Wer braucht schon Jungs. Entschlossen lege ich meine LieblingsCD von Madsen ein. Mein Therapeut und ich. Mit dem Song steigt meine Laune, dann setze ich mich ans Schlagzeug und übe noch ein bisschen. Und neben der besten Freundin gibt es ja immer noch die Musik.

24.1.07 14:05

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